Entwicklung der Tübinger Schlossfledermäuse

 

Mindestens seit 1879 nutzen Fledermäuse den Tübinger Schlosskeller als Winterquartier. Im Sommer wohnten Großen Mausohren auf den Dachböden vom Schloss Hohentübingen.
Im Jahr 1968 begann eine umfangreiche Restaurierung des Schlosses. Mitte der 70iger Jahre wurde dann das Dach des Südflügels renoviert. Nach damaligen Wissen wurde die Renovierung fledermausfreundlich und im Herbst durchgeführt.
Wie gefährlich Holzschutzmittel für Fledermäuse sind, war damals noch nicht bekannt. Die Mausohren reagierten sofort und zogen nicht mehr ins Dach ein. Die Kolonie mit ca. 250 Tieren war verschollen.

Erst Jahre später tauchte die Kolonie wieder in den warmen Lüftungsschächten im Schlosskeller auf.

Seither ziehen die Mausohren im Keller jedes Jahr ihre Jungen auf. Anfang August verlassen die ersten Mausohrweibchen ihre Kellerwohnung und ziehen in Zwischenquartier um. Einige Wochen später ziehen auch die erwachsenen Jungtiere aus. Weder die Zwischen- noch die Winterquartiere der Tübinger Schlossfledermäuse sind bekannt.

 

Weitere Informationen findet Ihr auf der Seite der

Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg unter:

 

                                     www.agf-bw.de

 

 

Steckbrief Großes Mausohr ( Myotis myotis )

Ordnung: Fledertiere ( Chiroptera )

Unterordung: Fledermäuse ( Microchirpotera )

Familie: Glattnasen ( Vespertilionidae )

Gattung: Mausohr ( Myotis )

 

Körperbau und Merkmale:

Das Große Mausohr ist, mit einer Kopf-Rumpf-Länge zwischen 6,7 und 7,9 Zentimetern, sowie einer Flügelspannweite zwischen 35 und 43 Zentimeter, die größte Fledermaus-Art Deutschlands und Österreichs. Ein ausgewachsenes Exemplar kann bis zu 40 Gramm wiegen. Das Große Mausohr hat eine sehr kurze und breite Schnauze, die Ohren sind lang und breit. Das Fell ist kurz aber dicht und an den Haarwurzeln schwarzbraun, an der Oberseite eher hell-braungrau gefärbt. Die Unterseite ist weißgrau. Die Schnauze, die Ohren und die Flügel sind graubraun. Um harte Chitinpanzer von Käfern oder Heuschrecken knacken zu können, haben die Fledermäuse ein kräftiges Gebiss und spitze Zähne. Die Flügel haben eine weiche und elastische Flügelhaut, die zwischen Hand- und Flügel (bzw. Arm- und Bein)knochen aufgespannt ist.

 

Die Augen der Fledermäuse sehen nicht sehr gut, hören können sie dafür umso besser. Sie nehmen ihre Umwelt vor allem über das Gehör wahr und nutzen dafür die Echoortung. Das Mausohr kann aber auch passiv Orten d.h. es hört (ohne die Aussendung von Ultraschall) auf die Eigengeräusche der Beute.

 

Jagdrevier und Nahrung:

Die Jagdgebiete der Großen Mausohren sind vorzugsweise in alten Laubwaldbeständen, wo sie dicht über dem Erdboden nach flugunfähigen Laufkäfern jagen. Diese Beutetiere erhören sie am Rascheln im Laub. Laufkäfer bilden das Grundnahrungsmittel. Des weiteren stehen aber auch Nachtfalter und andere Käfer auf dem Speiseplan und das jeweilige Insektenangebot der Saison.

 

Nachwuchs:

Die Geburt der Jungen etwa Anfang Juni wird - wie übrigens bei allen Fledermausarten - zum Trapezakt. Kurz vor der Geburt sucht sich das Weibchen einen etwas abgelegenen Platz. Ohne die Geborgenheit eines Nestes gleitet das neugeborene Mausohr sanft in die Schwanzflughaut der Mutter. Gesichert sind sie nur durch die Nabelschnur. Das Neugeborene krabbelt sofort am Bauchfell der Mutter hoch in Richtung der Zitzen. Dabei wird es von der Mutter eifrig beleckt und die Mutter kehrt in die Hanggemeinschaft zurück, um sich normal, nämlich mit dem Kopf nach unten, aufzuhängen.
Während des nächtlichen Jagdfluges bleiben die Jungtiere im Quartier. Sie hängen unter Aufsicht mehrerer Weibchen eng beieinander, um sich gegenseitig zu wärmen. Zum Säugen kommen die jagenden Mütter regelmäßig wieder in das Quartier. Sie erkennen ihr Junges an individuellen Ruflauten und am Geruch aus der Vielzahl zurückgelassener kleiner Fledermäuse wieder.

 

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aktualisiert am:

07.12.2019

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